Geschichte

(Versuch einer)Geschichte der Darmstädter Punx. Skins/Oi! Bewegung


Meine Erinnerungen reichen in das Jahr 1981 zurück. Damals spielten die U.K.Subs in Darmstadt. Das erste und letzte Punk Konzert in der Otto-Bernd-Halle. Die Szene war damals sehr klein und sehr übersichtlich. Es war die zeit der Startbahn West. Viele wurden von diesem Kampf geprägt und kamen auf diese Weise zum Punk und/oder linksradikaler Politik.
Anderen natürlich war das alles ziemlich egal und  sie verbrachten ihre Freizeit lieber mit dem Konsum von Alkohol.(was die "Politischen" natürlich auch gerne taten)Damals waren noch keine Skins in Darmstadt in Sicht. Alles war in der Hand von Punx und "Autonomen"

Demo gegen die Startbahn-West 1982


In diese Zeit fällt auch die Gründung der Arschgebuiden zurück. Nicht die erste aber sicher die bekannteste und Dienstälteste Punk Band der Stadt.
Vorher, unter Eindruck des Subs Konzertes gründete sich eine Band Namens "The Rotten Thoughts", die es nur auf ein Konzert auf einer Party in einer Grünen Kommune im Odenwald gebracht haben.
Zwei Mitglieder dieser Band fällt die "Ehre" zu, die ersten beiden Skins in Darmstadt gewesen zu sein. Beide sind an der Startbahn 18 West "groß" geworden. Enttäuscht  von der Niederlage gegen Staat und Kapital zu Punks geworden, sahen sie jetzt im Punk keine große Provokation mehr. Inspiriert von den ersten OI! Samplern war es nicht mehr lange bis die Haare fielen und die Jeans ihr Bad in Domestos bekamen.
Selbst in der kleinen Szene aus Punx, Metallern, Freaks(Hippies), in der man bekannt war, wurde man argwöhnisch beobachtet.

The Rotten Thoughts (1982)


Dazu muss man sagen dass in Darmstadt die Subkulturen immer zusammen gehalten und gearbeitet haben (bis Heute!). Man hat sich gegenseitig akzeptiert. Egal ob man Punk oder Rock`a Billy, Hippie oder Metaller war. Was zusammen schweißte war das Bewusstsein "anders" zu sein und Anti Faschist zu sein. Erst als man sich als Anti Nazi Skin Head  erklärte (was wir eigentlich nicht als nötig erachteten, weil selbstverständlich!) war man wieder vollständiges Mitglied der "Familie". In diese zeit (1983) fällt die Gründung der ersten Darmstädter Skin Band "Die Possmänner" (benannt nach einem beliebten Apfelwein).Größter Erfolg ein Gig im Besetzen Kino "Forum" und die  endgültige Akzeptanz der Darmstädter Punker.

Die Possmänner (1983)


Jetzt tauchen auch mehre Skins in der Stadt auf. Eine weitere Band mit Skin Beteiligung gründete sich "Die Ketzer" .Deutscher Rüttel Punk der alten Schule. Mit kurzhaarigem Schlagzeuger..
Sehr beliebt war es zu dieser Zeit sich unbekannten Skins mit einem lockeren "Deutschen Gruß" zu nähern und falls man freundlich zurück gegrüßt wurde, körperliche Verweise auszusprechen. Mit dem Erfolg, das Darmstadt Nazi Skin frei blieb. Selbstverständlich hatten die Punx den größeren Anteil daran. (aber eine andere Methode). Dadurch konnte sich über die Jahre eine Anti Faschistische Skinhead Scene entwickeln. Was den Darmstädtern schon Mitte der 80er Jahre den mit stolz getragenen ruf der "roten Zecken" einbrachte.
Im Jahre 1984 war es dann soweit das sich "Stromberg Polka" gründete. Hervorgegangen aus den "Possmännern" dem Schlagzeuger der "Ketzer" und einem aus Berlin zugewanderten Skinhead.

Stromberg Polka (1986)

Arschgebuiden (1984)


Mit der Zusammenarbeit der  Arschgebuiden und Stromberg Polka wuchsen die Punk und Skinhead Scene noch mehr zusammen. Man besuchte dieselbe Stammkneipe "Kopi" und organisierte zusammen Konzerte. Vor allem in der "Bessunger-Knabenschule". Unter anderem mit den Sub Humans aus U.K. oder der Tin Can Army .
Ein gemeinsamer Besuch einer Anti NPD Demo in Frankfurt ging aber voll in die Hose. Die Darmstädter" Abordnung" wurde, wegen der Teilnahme mehrere DA Skins für Nazis gehalten und wurden von einem riesen autonomen Mob angegriffen. Erst nach etlichen Plessuren wurde der Irrtum aufgelöst und man konnte später bei ein paar Bier Versöhnung feiern.
 
Im Laufe der Jahre etablierte man sich immer mehr im Stadtbild. Die Skinhead Scene war bis ins Jahr 1990 auf ca.30 Mann angestiegen. Frauen waren komischerweise sehr selten. Ich erinnere mich nur an zwei (Mode Renees). Die meisten Skins waren "unpolitische OI! Skins".. dachten wir jedenfalls lange...
Diese Leute hatten sich niemals verdächtig geäußert oder benommen. Bis sie eines Tages vorschlugen "Kanaken" klatschen" zu gehen!
Es brauchte nur ein paar Blicke zwischen den "Alten" und die Sache wurde sofort und für immer bereinigt!


Das war eine bittere Enttäuschung. Von da an war man wieder sehr vorsichtig wenn neue Glatzen auftauchten. Was uns natürlich den Vorwurf der Arroganz einbrachte.
Unter dem Eindruck dieses Versuchs der rechten Unterwanderung versuchte man sich wieder mehr der Politik zu zuwenden.
Mitglieder der Skin und Punk Bewegung begannen im "Jugendhaus Oettinger Villa" mitzuarbeiten. In diesem Haus waren (und sind immer noch) viele verschiedene linke Gruppen aktiv und haben dort ihre "Büros". Konzerte wurden organisiert, die Scene hatte endlich einen festen Anlaufpunkt.
Es gab dort zwar regelmäßig Plena, aber ansonsten nur autonome Arbeitsgruppen, die ihr eigenes Ding durchzogen ohne durch irgendwelche hierarchische  Strukturen gegängelt oder kontrolliert zu werden.
Das wurde uns zum Verhängnis. Es folgte einige Jahre später die "Übername" durch gut organisierte "K-Gruppen".


Daraufhin zogen sich die Punx`Skins wieder zurück. Jahre später kam es zur Versöhnung zwischen verschiedenen Akteuren dieses Vorfalls und man arbeitet nun in verschiedenen Gruppen miteinander.
Neben den "politischen" Aktivitäten kam das Party und Musikleben natürlich NIE zu kurz!!
Die Skins sind sehr viel in Deutschland rumgereist. Hauptsächlich nach Stuttgart und nach Franken.
Und das Darmstädter Punx`Skins Ensemble ging öfters auf Reisen.
London, Irland, Dänemark, Holland...

Irland (1994)

London (1996)


Nun kommen wir zum Schluss!
Als Fazit kann man wohl sagen das die Darmstädter Scene schon etwas Besonderes war und auch ist! Sie war immer eine große Familie. Mit allen Nebenerscheinungen wie Ärger und Wut aufeinander ,aber vor allem mit einer tiefen Freundschaft und Solidarität untereinander!


Freunde 92

Man verzeihe uns eventuelle Fehler im Zeitlichen Ablauf (wir sind ja nicht mehr die jüngsten!) und was wir sonst alles vergessen haben.
Namen haben wir mit Absicht nicht genannt. So kann keiner beleidigt meckern!
 
wir wollten aber noch alle "alten" Skins und Punks grüßen, die sich inzwischen zurückgezogen haben!
Und vor allem die, die inzwischen ins große Traktorenwerk aufgefahren sind und dort den "Darmstädter Spirit" leben...Ihr seid nicht vergessen!!!

RASH Darmstadt